Fernziele, Neuseeland
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Otira Viaduct: Ein Aussichtspunkt mit Gänsehautmoment

Otira Viaduct (1)

Manchmal reicht ein kurzer Stopp an der Straße, um eine Landschaft ganz anders wahrzunehmen. Am Otira Viaduct hielten wir an einem Scenic Lookout und standen plötzlich über einer Schlucht, durch die sich eine Straße wie ein schmales Band durch die Berge zog. Unter uns floss ein etwas wasserarmer Fluss, vor uns spannte sich das Viadukt durch das Tal und ringsherum wirkten die Hänge so steil, dass man sofort verstand, warum hier nicht einfach irgendeine normale Passstraße gebaut wurde.

Ein kurzer Halt am Scenic Lookout

Wir kamen über den Arthur’s Pass und folgten der Straße weiter Richtung West Coast. Schon die Fahrt war beeindruckend, aber am Aussichtspunkt auf das Otira Viaduct mussten wir einfach anhalten. Von dort oben hat man diesen weiten Blick in die Otira Gorge, auf die Brücke, die Straße und die dicht bewachsenen Berghänge.Otira Viaduct (6)

Das Viadukt wirkt aus der Entfernung fast elegant, gleichzeitig aber auch unglaublich kühn. Es schlängelt sich nicht einfach gemütlich durch die Landschaft, sondern hängt hoch über dem Tal und überspannt einen Abschnitt, der sichtbar steil, eng und geologisch ziemlich unruhig ist. Genau das macht den Anblick so besonders.Otira Viaduct (2)

Während unten die Autos über die Brücke fuhren, standen wir oben am Geländer und schauten hinunter. Man sieht sofort: Diese Straße ist nicht nur Verkehrsweg, sondern ein richtiges Stück Ingenieurskunst.

Otira Viaduct (3)

Warum das Otira Viaduct gebaut wurde

Das Otira Viaduct liegt am State Highway 73, der wichtigen Verbindung zwischen Christchurch und der West Coast. Früher führte die Straße hier über einen gefährlichen, engen und stark rutschgefährdeten Abschnitt durch die Otira Gorge. Die Hänge bestehen aus losem Gestein, Geröll und steilen Böschungen – also genau aus dem Material, das bei Regen, Schnee oder Frost gerne in Bewegung gerät.

Das heutige Viadukt wurde 1998 und 1999 gebaut, um die Gefahren auf dieser Strecke deutlich zu reduzieren. Das Department of Conservation beschreibt es als bedeutende Ingenieurleistung, die errichtet wurde, um das Reisen durch die Otira Gorge sicherer zu machen. Offiziell eröffnet wurde es im November 1999; schon damals wurde betont, dass die Planung Teil einer langfristigen Verbesserung des State Highway 73 durch den Arthur’s Pass National Park war.

Otira Viaduct (5)

Die Brücke ist rund 440 Meter lang und ersetzt einen alten, besonders unsicheren Straßenabschnitt, der häufig durch Steinschläge, Erdrutsche und Sperrungen bedroht war. Auch New Zealand Geographic beschreibt, dass das Viadukt eine frühere Strecke mit engen Kurven und instabilen Geröllhängen westlich des Arthur’s Pass ersetzte.

Galerien, Steinschlag und Wasser von oben

Besonders spannend fanden wir nicht nur das Viadukt selbst, sondern auch die Schutzbauten entlang der Straße. Diese Galerien beziehungsweise halboffenen Tunnel wirken auf den ersten Blick fast ein bisschen wie Lawinenschutz in den Alpen. Und im Prinzip erfüllen sie genau diese Art von Aufgabe: Sie sollen die Straße vor herunterkommendem Gestein, Geröll und Wasser schützen.

Otira Viaduct (7)

Von unserem Aussichtspunkt (und mit ordentlich Zoom) aus konnte man sehr gut erkennen, wie die Straße an manchen Stellen unter solchen Schutzdächern entlangführt. Daneben hängen Netze an den Felswänden, und an einigen Stellen läuft Wasser von oben herunter. Das sieht spektakulär aus, erinnert einen aber auch daran, wie lebendig diese Landschaft ist. Hier bewegt sich nicht nur das Wetter, sondern auch der Berg selbst.

Otira Viaduct (8)

Beim Fahren über das Viadukt merkt man das noch einmal anders. Rechts und links geht es tief hinunter, die Straße liegt hoch über der Schlucht, und man hat für einen Moment das Gefühl, auf einem schmalen Betonband durch die Berge zu gleiten. Schön, beeindruckend und ein bisschen ehrfürchtig machend zugleich.

Ein Bauwerk mitten im Nationalpark

Dass so ein großes Bauwerk mitten im Arthur’s Pass National Park steht, ist natürlich nicht selbstverständlich. Beim Bau wurde deshalb auch darauf geachtet, die Eingriffe in die Landschaft möglichst gering zu halten. Zur Eröffnung wurde die Zusammenarbeit zwischen Department of Conservation, Transit New Zealand und den beteiligten Bauunternehmen ausdrücklich hervorgehoben, weil das Projekt in einem sensiblen Naturraum umgesetzt wurde.Otira Viaduct (4)

Für uns war der Stopp richtig spannend: Auf der einen Seite diese wilde, grüne, steile Berglandschaft. Auf der anderen Seite Beton, Schutzgalerien, Straßenschilder und Ingenieurskunst. Normalerweise würde man meinen, dass so ein Bauwerk die Natur stört. Hier wirkte es eher so, als hätte man versucht, sich mit möglichst viel Respekt und technischem Aufwand durch ein schwieriges Stück Landschaft zu bewegen.

Unser Fazit

Das Otira Viaduct war für uns ein spannender Stopp am bzw. nach dem Arthur’s Pass. Wir hatten natürlich mit schöner Landschaft gerechnet, aber nicht damit, dass uns eine Straßenbrücke so sehr faszinieren würde. Der Blick vom Scenic Lookout ist großartig, weil man dort die ganze Konstruktion in der Schlucht sieht und gleichzeitig versteht, wie anspruchsvoll diese Strecke sein muss.

Wer auf dem State Highway 73 unterwegs ist, sollte hier unbedingt kurz anhalten. Nicht nur wegen der Fotos, sondern auch, weil man an diesem Ort sehr gut spürt, was Autofahren in Neuseelands Bergen bedeutet: enge Täler, steile Hänge, Wetter, Geröll, Wasser – und mittendrin eine Straße, die sich irgendwie kühn und geschmeidig zugleich durch diese Landschaft zieht.

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