Manchmal sieht ein Weg auf dem Schild harmloser aus, als er sich später in den Beinen anfühlt. So ging es uns beim Devils Punchbowl Wasserfall im Arthur’s Pass National Park. Wir hielten an der Straße, liefen los, überquerten eine kleine Brücke – und merkten wenig später, dass dieser kurze Abstecher doch etwas mehr Kondition verlangt, als man zunächst denkt.
Vom Parkplatz über die Brücke
Der Startpunkt liegt sehr praktisch am Punchbowl Car Park am nördlichen Ende von Arthur’s Pass Village, direkt abseits des State Highway 73. Von dort ist der Weg gut ausgeschildert und kaum zu verfehlen. Offiziell beginnt der Devils Punchbowl Walking Track genau hier und führt über den Bealey River sowie später über den Devils Punchbowl Creek hinauf zum Aussichtspunkt.
Schon am Anfang gefiel uns wieder, wie gut in Neuseeland viele Wanderwege angelegt sind. Wir liefen über eine kleine Holzbrücke, sahen die Hinweise zur sensiblen Natur und zur Kiwi-Zone (Hunde an die Leine!) und kamen kurz darauf zu den ersten Stufen. Die Holzbohlen waren mit Draht versehen, damit man auch bei Feuchtigkeit besseren Halt hat. Das hatten wir in Neuseeland schon öfter gesehen und fanden es jedes Mal aufs Neue sehr durchdacht und überaus praktisch.
Sogar zwei kleine mobile Toiletten standen am Eingang des Weges. Das klingt vielleicht banal, ist aber unterwegs einfach praktisch und typisch für viele gut gepflegte neuseeländische Wanderpunkte.

Mehr Treppen als gedacht
Anfangs dachten wir noch, dass das ein recht einfacher Stopp werden würde. Ein kurzer Weg, ein Wasserfall, ein paar Fotos – fertig. Ganz so gemütlich war es dann aber nicht. Der Track steigt deutlich an und führt über viele Stufen durch den Wald nach oben.
Laut lokaler Arthur’s-Pass-Informationen geht es über rund 240 Stufen durch Mountain-Beech-Wald bis zu einer Plattform unterhalb der Fälle. Genau so fühlte es sich auch an: nicht schwierig, aber durchaus anstrengend. Man gewinnt in kurzer Zeit spürbar Höhe und irgendwann merkt man, dass dieser Wasserfall nicht einfach nur neben der Straße liegt.
Der Weg war trotzdem sehr schön. Immer wieder öffnete sich der Blick in das Tal, auf den Fluss und die steilen grünen Hänge. Dazu kam diese frische, leicht feuchte Bergluft, die rund um Arthur’s Pass sowieso ständig präsent ist.
Der Blick auf den Devils Punchbowl
Oben an der Aussichtsplattform war dann schnell klar: Der Aufstieg hat sich gelohnt. Der Devils Punchbowl Wasserfall fällt in einer langen weißen Bahn die Felswand hinunter, eingerahmt von dunklem Gestein, Moos, Buschwerk und Wald. Besonders schön war das Wechselspiel aus Wasser, Felsen und dem Grün, das sich überall an die Hänge klammert.
Der Wasserfall ist etwa 131 Meter hoch und gehört zu den bekanntesten kurzen Wanderzielen im Arthur’s Pass National Park. Von der Plattform aus sieht man sehr gut, wie das Wasser fast frei aus der Höhe fällt und unten über Felsen weiterrauscht.
Der Devils Punchbowl Creek mündet später in den Bealey River, den man am Anfang des Weges überquert. Wie viel Wasser genau hinunterfällt, schwankt natürlich stark mit Wetter, Regen und Schneeschmelze. Gerade in dieser Gegend, in der das Wetter schnell umschlagen kann, ist ein Wasserfall nie jeden Tag gleich. Nach Regen dürfte er noch deutlich kraftvoller wirken. Von der Bowlschüssel war dann doch nicht so viel zu spüren, aber mit etwas ND-Filter sieht es durchaus schon beeindruckend aus. 😉
Ein Klassiker seit der alten Passstraße
Spannend fanden wir auch, dass der Devils Punchbowl kein neuer Instagram-Stopp ist, sondern schon lange ein beliebtes Ziel. Das Department of Conservation schreibt, dass die Fälle bereits seit der Eröffnung der alten Coach Road von Christchurch zur West Coast über Arthur’s Pass im Jahr 1866 eine bekannte Attraktion sind.
Das passt gut zu dem Gefühl vor Ort. Der Wasserfall liegt zwar nahe an der Straße, aber trotzdem muss man ihn sich ein kleines Stück erarbeiten. Genau diese Mischung macht den Reiz aus: Man ist nicht lange unterwegs, bekommt aber trotzdem einen echten Eindruck von der wilden Berglandschaft im Arthur’s Pass National Park.
Unser Fazit
Der Devils Punchbowl Wasserfall ist kein reiner Fünf-Minuten-Stopp, auch wenn er direkt an der Strecke liegt. Der Weg ist kurz, aber durch die vielen Stufen durchaus anstrengend. Wer feste Schuhe trägt und ein bisschen Zeit mitbringt, wird dafür mit einem wirklich beeindruckenden Wasserfall belohnt.
Uns hat besonders gefallen, wie gut der Track ausgebaut war: Brücken, Draht auf den Holzstufen, klare Schilder und sogar Toiletten am Startpunkt. Für uns war der Devils Punchbowl ein sehr lohnender Halt im Arthur’s Pass National Park – frisch, grün, kraftvoll und genau die Art von Naturstopp, die eine Fahrt durch Neuseeland noch schöner macht.






