Manchmal sind es nicht die großen Sehenswürdigkeiten, sondern die kleinen Dinge, die auf Reisen besonders in Erinnerung bleiben. Bei unserem Besuch im Cromwell Heritage Precinct in Neuseeland entdeckten wir einen öffentlichen Picknickplatz, der uns wirklich zum Staunen brachte. Und das aus einem Grund, den wir so aus Deutschland kaum kennen.
Ein kleiner Spaziergang durch die historische Goldgräberstadt
Wie wir bereits in unserem letzten Reisebericht erzählt haben, machten wir auf unserer Fahrt durch Neuseelands Südinsel einen Zwischenstopp im wunderschönen Cromwell Heritage Precinct. Das liebevoll restaurierte historische Viertel liegt direkt am Lake Dunstan und vermittelt mit seinen alten Gebäuden einen tollen Eindruck vom Leben während des neuseeländischen Goldrauschs.
Wir schlenderten durch die kleinen Straßen und entlang des Seeufers, als wir auf einen öffentlichen Picknickbereich stießen. Eigentlich nichts Besonderes, könnte man meinen. Doch was wir dort entdeckten, hat uns wirklich überrascht.
Ein kostenloser Grillplatz für alle – und alles blitzsauber!
Unter einem kleinen überdachten Picknickhäuschen befand sich eine großzügige, fest installierte Grillfläche. So weit, so gut. Doch bei genauerem Hinsehen stellten wir fest, dass hier tatsächlich alles kostenlos für die Allgemeinheit zur Verfügung stand.
Es gab sogar eine große Gasflasche, mit der jeder Besucher den Grill benutzen konnte. Und sollte das Gas einmal leer sein, konnte man einfach die zuständige Stelle informieren, damit die Flasche wieder ausgetauscht wurde.
Was uns aber noch viel mehr beeindruckte, war der unglaublich gepflegte Zustand der gesamten Anlage. Die Grillfläche war picobello sauber, die Grillzange und das übrige Zubehör lagen ordentlich an ihrem Platz und nirgendwo war auch nur ein Stück Müll zu entdecken.
Dabei konnte man durchaus erkennen, dass die Anlage regelmäßig benutzt wurde. Trotzdem war alles so sauber und aufgeräumt, als hätte gerade erst jemand gründlich geputzt.
Warum funktioniert das in Neuseeland so gut?
Wir standen tatsächlich eine ganze Weile davor und konnten es kaum glauben. Gerade als Deutsche fanden wir diesen Anblick unglaublich bemerkenswert.
Unweigerlich fragten wir uns, wie lange eine solche Anlage wohl in Deutschland in diesem Zustand bleiben würde. Wir kennen leider genügend öffentliche Plätze, an denen Grillflächen beschädigt, Wände mit Graffiti beschmiert oder Abfälle einfach liegen gelassen werden. Vermutlich müsste man hierzulande vielerorts schon damit rechnen, dass irgendjemand die Grillfläche zweckentfremdet oder die Einrichtung mutwillig beschädigt.
Natürlich gibt es auch in Deutschland hervorragend gepflegte öffentliche Anlagen und sicherlich ist auch in Neuseeland nicht überall alles perfekt. Aber das, was wir hier in Cromwell erlebten, war für uns ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie verantwortungsvoll Menschen mit gemeinschaftlichem Eigentum umgehen können.
Ein öffentlicher Grill, den jeder kostenlos benutzen darf, und der trotzdem von allen sorgsam behandelt wird. Eigentlich sollte das selbstverständlich sein. Umso erstaunlicher fanden wir, dass uns dieser Anblick so sehr überraschte.
Bewunderung und ein bisschen Wehmut
Bei aller Begeisterung löste diese Entdeckung bei uns allerdings auch ein etwas bedrückendes Gefühl aus. Denn sie zeigte uns, wie schön es sein kann, wenn öffentliche Einrichtungen auf gegenseitigem Vertrauen und Rücksichtnahme beruhen.
Offenbar funktioniert das hier in Cromwell ganz hervorragend. Niemand muss den Grill hinter einem Hochsicherheitszaun verschließen oder die Gasflasche groß gegen Diebstahl sichern. Die Menschen können die Anlage einfach nutzen und hinterlassen sie anschließend so, wie sie selbst sie gerne vorfinden möchten.
Wir fanden das wirklich beneidenswert. Gleichzeitig stimmte es uns nachdenklich, dass wir aus unserer Heimat leider auch ganz andere Erfahrungen kennen.
Vielleicht war genau das eine der überraschendsten Erkenntnisse unserer Neuseelandreise: Wie viel Lebensqualität entsteht, wenn Menschen mit Dingen, die allen gehören, genauso sorgsam umgehen wie mit ihrem eigenen Eigentum.
Dieser kleine Grillplatz im Cromwell Heritage Precinct war jedenfalls für uns mindestens genauso bemerkenswert wie die historischen Gebäude der alten Goldgräberstadt. Und er ist uns bis heute in besonderer Erinnerung geblieben.

