Eigentlich kamen wir nicht nur wegen Arrowtown selbst hierher, sondern auch wegen „Der Herr der Ringe“. Am Arrow River wurden gleich zwei Szenen gedreht, die für Fans natürlich spannend sind: Arwens Flucht mit Frodo vor den Nazgûl am Ford of Bruinen und die Gladden Fields, wo Isildur den Einen Ring verliert. Am Ende wurde daraus aber viel mehr als eine reine Drehortsuche: ein Spaziergang durch ein hübsches Goldgräberstädtchen, ein Abstecher ans Flussufer und ein eindrücklicher Gang durch die alte chinesische Siedlung.
Ankommen in Arrowtown
Wir parkten auf einem großen, etwas tiefer gelegenen und eher unbefestigten Parkplatz im Innenstadtbereich. Von dort aus liefen wir erst einmal los in Richtung Ortskern. Arrowtown ist klein, aber ziemlich fotogen. Historische Fassaden, gepflegte Straßenzüge, kleine Läden, Cafés und Boutiquen prägen das Bild. Gleichzeitig merkten wir schnell: Der Ort ist durchaus touristisch.
Viele Besucher zog es direkt in die etwas feineren Geschäfte oder in die Cafés. Wir ließen es ruhiger angehen, holten uns einen kleinen Kaffee und liefen weiter. Für uns war Arrowtown weniger Shoppingstopp, sondern eher ein Ort zum Schauen, Spazieren und Suchen. Denn irgendwo hier musste ja Mittelerde liegen.
Auf der Suche nach Arwen, Frodo und den Nazgûl
Rund um Arrowtown wurden mehrere Szenen für „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ gedreht. Besonders bekannt ist der Arrow River als einer der Drehorte für den Ford of Bruinen, also die Furt, an der Arwen mit Frodo auf dem Pferd vor den Ringgeistern flieht. In der Filmszene lässt sie schließlich die Flut in Form von Wasserpferden auf die Nazgûl los.
Wir liefen am Ufer entlang und suchten diese Stelle. Ganz eindeutig gefunden haben wir sie am Ende nicht. Vielleicht waren wir zu sehr mit dem Fluss, den Wegen und der Landschaft beschäftigt, vielleicht sieht ein Drehort ohne Kamerawinkel, Schnitt und Filmzauber einfach anders aus. Trotzdem war es schön, dort unterwegs zu sein und sich vorzustellen, wie aus diesem Flussabschnitt im Film der Bruinen wurde.
Unterwegs trafen wir sogar noch einen anderen „Herr der Ringe“-Suchenden. Das war ein netter Moment. Man erkennt sich irgendwie sofort: alle mit demselben leicht suchenden Blick, irgendwo zwischen Wanderer, Filmfan und Schatzsucher. Ein kurzer Plausch, ein gemeinsames Rätseln, und schon fühlt man sich mit einem fremden Menschen verbunden, weil man dieselbe fiktionale Welt liebt.
Wilcox Green und die Gladden Fields
Der zweite Drehort war für uns mindestens genauso spannend: Wilcox Green beziehungsweise die Arrowtown Recreational Reserve. Dort wurden die Gladden Fields gedreht, also die Szene aus dem Prolog von „Die Gefährten“, in der Isildur nach dem Sieg über Sauron von Orks angegriffen wird, in den Fluss gerät und der Eine Ring von seinem Finger gleitet. Genau dort verliert sich der Ring für viele Jahre im Wasser, bis er später von Déagol gefunden wird.
Diese Szene hatten wir zunächst nur grob im Kopf, aber vor Ort passte die Umgebung erstaunlich gut: Flussufer, Bäume, Wiesen, ruhige Wege. Natürlich ist auch hier wieder viel Filmwirkung dabei. Im echten Leben steht man nicht in einer dramatischen Prologsequenz, sondern in einer friedlichen Landschaft am Rand von Arrowtown. Aber genau das macht solche Drehorte für uns so reizvoll. Man sucht die Filmspur und entdeckt dabei einen ganz normalen Ort neu.
Durch die alte chinesische Siedlung
Der stärkste Eindruck blieb für uns aber die alte chinesische Siedlung am Rand von Arrowtown. Wir liefen vom Fluss weiter dorthin und tauchten plötzlich in ein ganz anderes Kapitel der Ortsgeschichte ein.
Arrowtown entstand im Zuge des Goldrauschs in Otago. Als viele europäische Goldsucher später weiter an die West Coast zogen, wurden chinesische Bergleute gezielt nach Otago geholt, um die Goldfelder weiter zu bearbeiten. Die Arrowtown Chinese Settlement war eine von mehreren chinesischen Siedlungen, die im 19. Jahrhundert in der Nähe von Goldgräberorten in Otago entstanden.
Beim Gehen durch die kleinen Hüttenreste und rekonstruierten Gebäude wird sehr schnell klar, wie einfach das Leben dort gewesen sein muss. Viele der Männer kamen aus Südchina, oft mit der Hoffnung, Geld zu verdienen und ihre Familien zu Hause zu unterstützen. Sie lebten in kleinen, einfachen Unterkünften, arbeiteten hart und standen gesellschaftlich häufig am Rand.
Das fanden wir beim Besuch besonders nachdenklich. In Arrowtowns Hauptstraße sieht man heute hübsche Fassaden, Cafés und Boutiquen. Ein paar Schritte weiter erzählt die chinesische Siedlung von einem viel härteren Leben. Von Menschen, die weit weg von ihrer Heimat waren, unter einfachen Bedingungen arbeiteten und trotzdem einen wichtigen Beitrag zur Goldgräbergeschichte der Region leisteten.
Ein Spaziergang zwischen hübsch und ehrlich
Genau diese Mischung machte Arrowtown für uns spannend. Der Ort hat auf den ersten Blick etwas sehr Gepflegtes, fast ein bisschen Postkartenhaftes. Aber wenn man nicht nur durch die Hauptstraße läuft, sondern am Fluss entlang und weiter zur chinesischen Siedlung, bekommt der Besuch mehr Tiefe.
Unser Spaziergang dauerte ungefähr eineinhalb bis zwei Stunden. Das war genau richtig, um den Ort nicht nur kurz abzuhaken, sondern ihn ein bisschen wirken zu lassen. Wir suchten nach Mittelerde und fanden gleichzeitig echte Geschichte. Beides lag hier erstaunlich nah beieinander.
Unser Fazit
Arrowtown war für uns ein schöner und überraschend vielseitiger Stopp. Wer „Der Herr der Ringe“ mag, findet am Arrow River (vermutlich) gleich mehrere spannende Drehortbezüge: den Ford of Bruinen mit Arwen, Frodo und den Nazgûl sowie Wilcox Green als Gladden Fields, wo Isildur den Einen Ring verliert.
Noch eindrücklicher fanden wir aber die alte chinesische Siedlung. Sie erzählt eine Geschichte, die nicht ganz so glänzend ist wie die hübschen Goldgräberfassaden im Ort, aber gerade deshalb wichtig bleibt. Für uns war Arrowtown damit mehr als ein nettes Ausflugsziel bei Queenstown: ein Ort zwischen Filmfantasie, Goldrausch, Migration und einem angenehm entspannten Spaziergang am Fluss.
























