Wir verbrachten einen Tag in Lecce, einer charmanten Stadt im Süden Italiens mit rund 95.000 Einwohnern, die oft als das „Florenz des Südens“ bezeichnet wird.
Schon beim Spaziergang durch die Altstadt beeindruckte uns die elegante barocke Architektur aus dem typischen, warm-gelben Kalkstein, der aus der Region stammt und vielen Gebäuden einen besonderen Glanz verleiht. Besonders charakteristisch ist der sogenannte Lecceser Barock (Barocco Leccese) – ein äußerst verspielter Baustil, der sich durch üppige Ornamentik, florale Motive und kunstvoll modellierte Fassaden auszeichnet. Diese Form des Barocks entwickelte sich im 17. und 18. Jahrhundert und prägt bis heute das Stadtbild in beeindruckender Einheit und Harmonie.
Römisches Amphitheater
Mitten im historischen Zentrum stießen wir auf das römische Amphitheater auf der Piazza Sant’Oronzo, das ursprünglich aus der augusteischen Zeit stammt (1.–2. Jahrhundert n. Chr.). Unter Kaiser Trajan wurde es erweitert und bot einst Platz für etwa 20.000 bis 25.000 Zuschauer. Hier fanden Gladiatorenkämpfe und Tierhatzen statt, ganz im Stil der großen Arenen des Römischen Reiches. Auch wenn heute nur etwa ein Drittel davon freigelegt ist – der Rest liegt unter modernen Gebäuden –, vermittelt die Anlage noch immer ein beeindruckendes Bild. Besonders faszinierend ist, dass das Amphitheater erst Anfang des 20. Jahrhunderts zufällig bei Bauarbeiten entdeckt wurde.
Quer durch die Altstadt
Von dort schlenderten wir weiter zur prachtvollen Basilica di Santa Croce, einem der bedeutendsten Bauwerke des süditalienischen Barocks. Ihre reich verzierte Fassade mit Figuren, Ranken und Symbolen zog uns sofort in den Bann. Nur wenige Schritte entfernt befindet sich die elegante Via Giuseppe Palmieri, eine Straße, die von historischen Palästen gesäumt und ideal für einen gemütlichen Spaziergang ist. Einer der eindrucksvollsten Paläste ist der Palazzo Guarini, dessen Fassade ein typisches Beispiel für den barocken Baustil Lecces darstellt.
Porta Napoli
Am nördlichen Ende der Altstadt erreichten wir schließlich die Porta Napoli, ein monumentales Stadttor aus dem 16. Jahrhundert. Es wurde zu Ehren Karls V. errichtet und markierte einst den Zugang zur Stadt für Reisende aus Neapel – heute ist es ein beliebtes Fotomotiv.
Caffè leccese
Unbedingt probieren solltet ihr den berühmten Caffè leccese, eine regionale Spezialität. Dabei handelt es sich um einen Espresso, der auf Eis mit einem Schuss Mandelmilch oder Mandelsirup serviert wird – eine perfekte Erfrischung an warmen Tagen. Der leicht nussige, süße Geschmack harmoniert wunderbar mit der kräftigen Kaffeearoma und spiegelt den entspannten Lebensstil der Region wider.
Fazit
Weniger lohnenswert fanden wir hingegen die Markthalle, die sich als klein und eher unspektakulär erwies. Stattdessen genossen wir lieber noch einmal den Blick auf die kunstvollen Fassaden und das lebhafte Treiben in den engen Gassen. Lecce hat uns mit seiner Mischung aus Geschichte, Kunst, barocker Pracht und mediterranem Flair nachhaltig beeindruckt.









