Wir waren auf der Alexander Farm bei Matamata zu Gast – dort, wo aus einer ganz normalen Schaffarm eines der bekanntesten Filmsets der Welt wurde.
Eine unberührte Farm wird zum Filmwunder
Wir parken beim Besucherzentrum einige Zeit vor unserer gebuchten „Evening Banquet Tour“ und schauten uns zunächst ein wenig im Shop um. Ehrlich gesagt hätten wir uns den etwas größer und umfangreicher vorgestellt. Es gab zwar einige schöne Objekte, die das Fanherz von „Der Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ schlagen ließen, aber wir hätten hier tatsächlich etwas mehr erwartet.
Aber dann ging es endlich los und schon die Anreise mit dem Shuttlebus vom Besucherzentrum aus fühlte sich wie der Auftakt zu etwas Besonderem an, weil man langsam aus dem Alltäglichen herausgezogen und Stück für Stück in diese weich geschwungene Auenland-Landschaft hineingeführt wurde. Peter Jackson erzählte noch etwas auf den Monitoren im Bus – auch ein nettes Beiwerk.
Als wir schließlich auf dem Parkplatz vor dem Hobbiton-Schild ausstiegen, begann unser Rundgang genau so, wie ihn auch die meisten Besucher erleben: Nicht spektakulär im Sinne von laut, sondern Schritt für Schritt, fast unmerklich und dadurch umso wirkungsvoller. Und so schritten wir dann durch „Gandalf’s Cutting“, so ähnlich, wie auch der erste LOTR-Film nach der Eröffnungsgeschichte begann.
Entdeckung der Farm
Was man bei Hobbiton sofort merkt, ist der Kontrast zwischen der harmlosen, grünen Farm und der beeindruckenden Wirkung, die sie später erlangt hat. Die Alexander Farm wurde Ende der 1990er Jahre von Peter Jacksons Team entdeckt, weil die sanften Hügel, das satte Grün und die natürlichen Senken perfekt für das Auenland passten. Für die Dreharbeiten zu „Der Herr der Ringe“ wurde dort zunächst ein temporäres Hobbitdorf errichtet, später kam für den Hobbit noch einmal ein umfassender Wiederaufbau hinzu, sodass die Anlage heute dauerhaft als Besucherziel bestehen kann. Das war letztlich auch die Bedingung der Familie Alexander, dass für die Dreharbeiten für den „Hobbit“ die Farm so gut hergerichtet und erhalten bleiben müsse, dass sie tatsächlich als Touristenattraktion langfristig dienen kann. Uns so kam es dann auch.
Der Bau war übrigens deutlich aufwendiger, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Nicht nur wurden die Hobbit-Höhlen, Wege, Gärten und die berühmte Mühle angelegt, sondern auch enorme Mengen an Erde bewegt, Hügel modelliert und Landschaften so gestaltet, dass sie auf der Leinwand organisch wirkten. Berichten zufolge half sogar die neuseeländische Armee mit, unter anderem beim Anlegen einer Zufahrtsstraße und beim Bewegen von Material, während Gärtner und Landschaftsbauer daran arbeiteten, aus der Schaffarm ein glaubwürdiges Dorf zu machen. Danach wurden die Zufahrtswege wieder einigermaßen in den Ursprungszustand zurückversetzt, gemäß den strengen neuseeländischen Umweltschutzregeln. Das Ganze war also nicht nur großes Filmdekor, sondern ein echtes Großprojekt mit beeindruckender logistischer und handwerklicher Leistung.
Unser Weg durch das Auenland
Wir liefen also durch Gandalf’s Cutting und folgten dann genau dem vorgegebenen Weg, was dem Besuch eine schöne dramaturgische Struktur verlieh. Zunächst liefen wir anbei schöner Gärten, dann hinauf zum höher gelegenen Bereich, vorbei an dem berühmten Party Tree und durch all die kleinen, liebevoll gestalteten Ecken, die man aus den Filmen kennt oder sofort damit verbindet. Alles war so angelegt, dass man immer wieder stehen blieb, schaute, eine Kurve nahm und plötzlich an einem bekannten Motiv landete – ohne dass es je wie ein reiner Themenpark wirkte.
Besonders schön fanden wir, dass der Rundgang nicht nur von einem Fotopunkt zum nächsten führte, sondern dass er selbst Teil des Erlebnisses war. Die Wege, die kleinen Gärten, die Höhlenfronten und die liebevoll gepflegten Details sorgten dafür, dass man das Gefühl hatte, sich langsam in die Filmwelt – oder fast schon in die reale Hobbitwelt – hinein zu bewegen. Dieser Aufbau machte die Tour für uns so angenehm, weil man die Kulisse nicht nur betrachtete, sondern sie Schritt für Schritt aufnahm. Die Guides standen stets mit Rat, Tat, Anekdoten und Trivia zur Seite und machten auch bereitwillig Fotos von den Gästen. Kurzum, sie waren sehr geduldig – wobei das auch an unserer „speziellen Abendtour“ liegen mochte.
Die Hobbit-Höhle und die kleine Pause
Ein besonderer Moment war für uns der Abschnitt, in dem wir durch eine „echte“ Hobbit-Höhle laufen konnten und dort sogar eine halbe Stunde Aufenthalt hatten. Diese Zeit war sehr willkommen, weil man in Ruhe schauen, Fotos machen und die kleinen Details entdecken konnte, die in den Filmen wenn überhaupt nur am Rand auftauchen, vor Ort aber viel liebevoller wirkten. Zu unserem Bestaun sagten die Guides auch, dass man tatsächlich alles in die Hand nehmen möge und ausprobieren könne. Die Leute bei Winter Workshop, die diese Requisiten alle ausschließlich hierfür produziert hatten, hatten auch genau das im Kopf und Sinn. Fantastisch! Aber mehr zum Inneren der Hobbit-Behausung demnächst in einem separaten Artikel.
Dass Hobbiton heute nicht nur für Dreharbeiten genutzt wird, sondern auch bewusst Besuchszeiten eingeplant sind, gehört mittlerweile zum Konzept. Man hat als Gast – zumindest der abendlichen Banquet Tour – nicht das Gefühl, durch eine Attraktion gejagt zu werden, sondern vielmehr, eingeladen zu sein, den Ort eine Weile zu erleben. Dieser Eindruck machte die Tour für uns besonders angenehm, zudem wirkte sie nict gehetzt und die Gruppengröße war insgesamt sehr angenehm.
Green Dragon und gemeinsames Abendessen
Nach dem (halben) Rundgang und den Weg an der ikonischen Mühle vorbei kehrten wir im Green Dragon ein, das wie eine gemütliche Hobbit-Kneipe gestaltet ist. Zunächst gab es für uns im Barbereich ein Ginger Beer, das perfekt in die rustikale, leicht märchenhafte Atmosphäre passte. Später folgte das gemeinsame Abendessen, das einer der schönsten Teile des Abends war, weil alles sehr gesellig, warm und gemeinschaftlich wirkte.
Das Essen war ausgezeichnet und fügte sich harmonisch in den Abend ein, ohne aufdringlich zu wirken. Es fühlte sich nicht an, als würde hier nur eine Kulisse für Touristen aufgebaut, sondern vielmehr, als befände man sich in einer bewusst inszenierten, aber dennoch stimmigen Umgebung. Der Übergang vom Rundgang zum Abendessen machte den Besuch zu einem runden Erlebnis.
Der Rückweg im Dunkeln
Nach dem Essen gingen wir wieder hinaus, bekamen Laternen in die Hand und liefen noch einmal im Dunkeln um den See. Dieser Teil war sehr ruhig und fast kontemplativ, weil das Dorf im Dunkeln ganz anders wirkte als tagsüber. Die Lichter, das Wasser und die Dunkelheit schufen eine stimmungsvolle Atmosphäre, die uns noch lange im Gedächtnis blieb. Besonders der kleine Nachtspaziergang war beeindruckend und wirkte noch einmal ganz anders als die bekannten Fotostellen am Nachmittag.
Schließlich ging es über den Garten zurück zum Bus, und der Kreis schloss sich. Vom Besucherzentrum aus, mit Shuttlebus hin und wieder zurück, war die Tour sehr gut organisiert – das machte sie für uns besonders angenehm. Es ist deutlich zu spüren, dass Hobbiton über die Jahre nicht nur erhalten, sondern zu einem funktionierenden Erlebnisort weiterentwickelt wurde, ohne aber billig und zu inszeniert zu wirken. Eine Art respektvoller Themepark mit viel Natur.
Vom Zufall zur Pilgerstätte
Die Geschichte hinter Hobbiton ist übrigens fast so faszinierend wie die Kulisse selbst. Eine Schaffarm bei Matamata wurde durch einen glücklichen Fund der Location Scouts (aus einem dem Helikopter heraus erspäht) zur Filmheimat des Auenlands. Nach den Dreharbeiten zu Herr der Ringe wurden die Kulissen zunächst wieder entfernt, doch für die Hobbit-Filme wurden sie dauerhaft und aufwändiger wieder aufgebaut. Heute ist Hobbiton eine der meistbesuchten Attraktionen Neuseelands, mit mehreren hunderttausend Besuchern jährlich, an Spitzentagen sogar mehrere Tausend.
Was heute wie ein perfekt organisierter Touristenbetrieb wirkt, begann als ein spezielles Filmset, das ursprünglich nur für einige Szenen – aber sehr aufwändig – gebaut wurde.
Warum Hobbiton so besonders ist
Hobbiton funktioniert nicht nur, weil es ein Filmset ist. Die Landschaft selbst ist beruhigend und einladend: Hügel, Gras, kleine Wege und liebevoll gestaltete Gärten schaffen eine Welt, die man sofort versteht, auch ohne die Filme zu kennen. Die nahtlose Verbindung von Touren, Abendessen und Besucherbetrieb zeigt, wie gut der Ort in etwas Dauerhaftes verwandelt wurde, ohne den Ursprung zu verlieren.
Für uns war der Abend in Hobbiton mehr als nur ein Ausflug in ein berühmtes Filmset. Es war eine kleine, erzählte Reise durch eine Landschaft, die durch Zufall, Handwerk, Filmkunst und Tourismus entstanden ist. Diese Mischung machte den Besuch so besonders: ein klar strukturierter Ablauf, eine beeindruckende Kulisse und eine Geschichte, die man auf dem Weg durch das Auenland fast mit jedem Schritt mitlaufen sah. Und nach bzw. seit unserer Rückkehr sehen wir die Filme bzw. die Sequenzen aus dem Auenland tatsächlich aus einem ganz anderen Blick heraus.
Über die Evening Banquet Tour
Die Evening Banquet Tour in Hobbiton kostete zum Zeitpunkt unseres Besuchs standardmäßig rund 240 neuseeländische Dollar pro erwachsener Person und dazu kommen je nach Buchung manchmal noch kleine Abweichungen oder Zusatzkosten für Transfers z.B. von Matamata aus. Man sollte auf jeden Fall extrem frühzeitig reservieren, weil diese Tour sehr gefragt ist und oft lange im Voraus ausgebucht ist; wir hatten unsere Plätze schon mehr als ein halbes Jahr vorher gesichert. Aus unserer Sicht war das Erlebnis den Preis absolut wert, weil man hier nicht nur das Filmset entspannt und bei Abendstimmung erlebt, sondern auch den besonderen Rundgang, die ausgiebige Erkundung der Hobbithöhle, das gemeinsame (wirklich gute) Essen im Green Dragon Inn und den späteren Spaziergang mit Laternen in einer Atmosphäre, die man so nur dort bekommt. Kurzum, auf jeden Fall eine Empfehlung von uns!
Zum Ausklang noch weitere Impressionen
Hier noch abschließend ein paar Impressionen unseres Besuchs:
















































