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Braunkohletagebau Garzweiler

Der Begriff Garzweiler steht seit den 1980er Jahren für das riesige Fördergebiet des Braunkohletagebaus im nördlichen Rheinischen Braunkohlerevier. Wir haben dieses überdimensionale Abbaugebiet einmal angeschaut.

Energie aus dem Rheinischen Braunkohlerevier

In der Niederrheinischen Bucht zwischen den Städten Aachen, Mönchengladbach und Bonn ist über Millionen von Jahren eine bis zu 100 Meter dicke Schicht an Kohle, auch Flöz genannt, entstanden. Die gesamte Menge beläuft sich dabei schätzungsweise auf 55 Milliarden Tonnen Kohle, wovon jedoch nur ein knappes Fünftel industriell erschlossen bzw. abgebaut werden kann.

Die Kohle wird von den Baggern über Transportbänder hin zu einem zentralen Sammelpunkt befördert

Damit stellt das Rheinische Braunkohlerevier die größte Braunkohllagerstätte Europas dar. Seit dem 18. Jahrhundert bereits wird hier Braunkohle abgebaut. In den riesigen Dimensionen, wie sie derzeit in Garzweiler zu betrachten sind, geschieht dies jedoch erst seit der Mitte des 20. Jahrhunderts. Der Konzern RWE, besonders seine Tochter RWE Power, baut hier seit Jahrzehnten Braunkohle ab und macht aus ihr dank ebenso großer Kraftwerke elektrischen Strom. Bis 2030 wird dies auch auf jeden Fall fortgesetzt, da in Deutschland im Rahmen der Energiewende die Stromerzeugung aus Braunkohle intensiv auf dem Prüfstand steht.

Auf einem Skywalk können die Besucher am Aussichtspunkt den Braunkohletagebau in Garzweiler begutachten

Atemberaubende Aussicht über die riesige Grube

Im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend empfanden wir den Ausblick vom eigens für Besucher errichteten, kostenlosen Skywalk am Südende von Garzweiler. Hier hat RWE Power einen Besucherparkplatz sowie zahlreiche Infotafeln aufgestellt, mittels derer man sich einen kleinen Einblick in die Vorgänge vor Ort geben lassen kann. Diesen öffentlichen Aussichtspunkt findet ihr in der Nähe der Ortschaft Jackerath. Auf der folgenden Karte haben wir ihn einmal für euch markiert:

Geisterdörfer rund um Garzweiler

Für den Braunkohletagebau müssen unglaubliche Mengen Erde abgebaut werden und da Garzweiler aktuell eine Fläche von 31 Quadratkilometern umfasst, muss der ganze Platz natürlich auch irgendwo herkommen. Daher mussten bereits in der Vergangenheit zahlreiche Dörfer und Gemeinden umgesiedelt werden, damit die wertvollen Bodenschätze abgebaut werden konnten. Hierzu zählen Dörfer wie Holz, Pesch, Elfgen, Belmen, Spenrath, Priesterath oder Königshoven, welche schon vollständig abgebaggert wurden.

Verlassene Straßen in Immerath

Auch heute noch gibt es rund um Garzweiler zahlreiche Dörfer, die bereits auf ihre nahe Zukunft vorbereitet – sprich verlassen – sind und bald abgebaggert werden. Zu diesen Geisterdörfern zählen aktuell Immerath, Lützerath, Borschemich. Diese Orte sind meist noch öffentlich zugängig und üben in ihrer schaurigen Verlassenheit eine besondere Faszination auf den Besucher aus. In manchen dieser Orte weigern sich zudem noch wenige Bewohner, das Feld kampflos zu räumen und ihre Heimat aufzugeben.

Wir haben uns bei unserem Besuch auch mit der Videokamera in dem Geisterdorf Immerath einmal umgesehen. Das Video zu Immerath findet ihr hier.

Verlassenes Haus am Stadtrand von Immerath

Ein Hinweis noch an dieser Stelle: Solltet ihr selbst einmal die vermeintlich verlassenen Dörfer rund um Garzweiler besuchen wollen, respektiert den Wunsch nach Ruhe der dort noch lebenden Menschen und verhaltet euch angemessen. Dazu gehört selbstverständlich auch, nicht in irgendwelchen Häusern herumzuklettern oder versuchen, dort irgendwie reinzukommen. Wir selbst haben bei unserem Besuch in Immerath viele Spuren von Vandalismus gesehen – es hat schon seinen Grund, warum alle Häuser dort vernagelt und vor Zugang geschützt wurden. Auch wenn diese kurz vor dem Abriss stehen, so ist es doch ein fremdes Grundstück und wenn ihr auch nur im Garten herumstolziert oder durch eingeschlagene Türen geht, ist dies Hausfriedensbruch. Also bleibt auf den öffentlichen Straßen, fangt mit dem Teleobjektiv Bilder ein und erlebt die beklemmende Stimmung dieser Geisterdörfer.

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