Strand oder Stadt? In Otranto entschied für uns schließlich ein Gewitter – und wir landeten mitten im süßen Refugium von Martinucci.
Zwischen Strand und Altstadt
An diesem Nachmittag sah die Wetter-App eher grau aus, aber wir wollten uns davon nicht die Laune verderben lassen. Nach dem Frühstück im Hotel schnürten wir unsere Schuhe, packten vorsichtshalber die Strandsachen ein und liefen zu Fuß ins Zentrum von Otranto. Rechts von uns die historische Altstadt mit ihren Stadtmauern und Gassen, links das moderne Strandviertel mit Lido, Promenade und flachen Badestränden – Otranto zeigte hier ganz wunderbar seine zwei Gesichter.
Spaziergang Richtung Norden
Wir entschieden uns für die Strandpromenade nach Norden. Zunächst säumen Cafés, Bars und kleine Shops die Uferlinie – typische Badeorte-Läden mit Strandtüchern, Luftmatratzen, bunten Flip-Flops, aber auch Bäckereien und Gelaterien. Das eigentliche Lido ließen wir zurück, die felsigeren Abschnitte nahmen zu.
Immer wieder entdeckten wir Überreste alte Häuser, die direkt auf den Felsen gebaut waren, inzwischen aber halt Ruinen sind – Relikte einer Zeit, als hier wohl noch mehr los war.
Zwischendurch lagen Einheimische auf den flachen Felsen, hatten Handtücher ausgelegt und nutzten jede sonnige Minute zum Baden oder Sonnen. Wir folgten dem Weg immer weiter nach Norden, bis fast an den Stadtrand, genossen den Blick auf das klare, türkise Wasser und überlegten, ob wir später noch an den Strand zurückkehren sollten.
Gewitterfront über Otranto
Als wir uns schließlich umdrehten, änderte sich die Stimmung schlagartig. Über Otranto hatte sich eine rabenschwarze Gewitterfront aufgebaut, die Wolken hingen tief über der Altstadt. Wir sahen regelrecht, wie sich das Unwetter zusammenbraute und verwarfen schnell die Idee, noch am Strand zu bleiben. Stattdessen machten wir uns flink auf den Rückweg Richtung Stadt – mit dem festen Plan, lieber irgendwo gemütlich einzukehren.
Zuflucht bei Martinucci – zuerst draußen, dann drinnen
Unsere Wahl fiel auf Martinucci in Otranto, eine Filiale der bekannten Konditorei-Kette, die im Salento fast schon Kultstatus hat. Wie so oft lockte uns die Kombination aus Gebäck, Eis und Kaffee an. Zuerst setzten wir uns draußen unter die Markise – mit der romantischen Vorstellung, ein kleines Sommer- oder Herbstgewitter bei einem Pistazieneis und einem Caffè Leccese (dem tollen, kalten Kaffee mit Mandelmilch) auszusitzen.
Aus dem erhofften „Sommerregen“ wurde allerdings ein ausgewachsener Wolkenbruch. Der Wind peitschte den Regen unter die Markise, die Straßen verwandelten sich in kleine Bäche, und wir flüchteten schließlich samt Bestellung nach drinnen. Dort wurde das Martinucci nach und nach zum Refugium für vom Wetter Verfolgte: Gäste strömten hinein, klopften den Regen aus den Jacken, bestellten Espressi, Cornetti und Eis – und versuchten, das Unwetter einfach wegzumampfen oder wegzuspachteln. Gelegenheit für uns, dass wir uns dort auch nochmal an der Eistheke umsahen.
Eis, Caffè Leccese – und ein ungebetener Gast
Wir entschieden uns, das Beste aus der Situation zu machen: zwei Kugeln Eis – selbstverständlich wieder mit Pistazien-Beteiligung – und ein Caffè Leccese, der bei Martinucci wirklich hervorragend war. Die Mandelmilch, der kräftige Espresso, dazu das Klirren der Eiswürfel – genau das Richtige für diesen warmen, aber überaus nassen Nachmittag.
Etwas weniger gelungen war dann allerdings noch unsere letzte Tischbekanntschaft: Ein Schweizer Ehepaar (bzw. die Frau) fragte höflich, ob sie sich zu uns an den kleinen Tisch setzen dürften, da kaum noch andere Plätze frei waren. Wir sagten natürlich freundlich Ja – schließlich waren noch zwei Stühle frei. Kurz darauf kam jedoch der Ehemann mit einem riesigen Hund im Schlepptau herein, der sich prompt und massiv unter unserem Tisch breit machte. Zwischen nassen Pfoten, nass-klammem Hundegeruch und engem Raum sank unser Gemüt doch etwas in den Keller.
Die Situation wurde zunehmend unangenehm – nicht, weil die Leute unsympathisch gewesen wären, sondern weil der Hund wirklich den halben Tisch einnahm und drauf und dran war, sich zu schütteln. Also machten wir das, was man in solchen Momenten am besten tut: Wir tranken die Caffè Leccese schnell aus, löffelten die letzten Reste Eis und ergriffen die Flucht zurück in die Stadt – der Regen hatte eh nachgelassen.
Fazit: Ein Nachmittag, den wir nicht vergessen
Unser geplanter Strandnachmittag in Otranto wurde am Ende zu einer Mischung aus Küsten-Spaziergang, Wetterdrama und süßem Zufluchtsort. Die nördliche Strandpromenade mit ihren Lidos, Felsen und Ruinen zeigte uns eine andere, ruhigere Seite der Stadt. Und Martinucci erwies sich einmal mehr als verlässliche Adresse für gutes Eis und Caffè Leccese – allerdings gerne ohne große Vierbeiner.
















