Fernziele, Neuseeland
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Am Franz Josef Glacier zwischen Gletschern und Regenwald

Franz Josef Glacier (7)

Zwischen dröhnenden Helikoptern, tropisch grünem Regenwald und einem Gletscher, der sich rapide zurückzieht, erlebten wir in Franz Josef eine der eindrucksvolle Kontrastlandschaft.Franz Josef Glacier (12)Unsere erste Anlaufstelle im Ort Franz Josef war das Visitor Centre, das aufgrund der Mittagszeit allerdings gerade geschlossen hatte. Die wichtigsten Informationen zu den Gletschern der Region fanden wir aber auch schon vor dem Eingang auf Infotafeln. Auffällig war vor allem die Umgebung, die uns hier grüner als grün entgegenkam, eine fast schon surreale Kombination aus üppigem Regenwald und einem Gletschergebiet, das man eigentlich eher in einer kargen, alpinen Landschaft erwarten würde. Der Ort Franz Josef selbst präsentierte sich als ausgesprochener Touristenort, der sich im Wesentlichen entlang der Hauptstraße konzentriert. Dort reihte sich Anbieter an Anbieter für Hubschrauber-Rundflüge auf die umliegenden Gletscher und tatsächlich hörten wir alle paar Minuten einen Helikopter über uns hinwegfliegen, ein akustisches Markenzeichen des Ortes.Franz Josef Glacier (11)

Hier befindet sich Franz Josef Glacier:

Woher der Name Franz Josef stammt

Die Maori nannten den Gletscher ursprünglich Kā Roimata o Hine Hukatere, „die Tränen von Hine Hukatere“, benannt nach einer jungen Frau, deren Trauer über den Tod ihres Geliebten der Legende nach zu ewigem Eis gefror. Seinen europäischen Namen erhielt er erst 1865 durch den deutschen Geologen Julius von Haast, der ihn zu Ehren des österreichischen Kaisers Franz Joseph I. benannte. Aus der ursprünglichen Schreibweise mit „ph“ wurde im Laufe der Zeit das heute gebräuchliche „Josef“ mit „f“, ein Schreibfehler, der sich durchsetzte und bis heute offiziell blieb.

Zum Parkplatz und in den Wald

Von dort aus fuhren wir weiter zum Franz Josef Glacier Car Park, wo wir problemlos einen Parkplatz fanden, das Parken ist hier übrigens kostenlos. Schon vom Parkplatz aus hatten wir einen ersten Blick auf den Gletscher, der in der Ferne zwischen den Bergen hervorschimmerte. Infotafeln vor Ort informierten darüber, welcher Wanderweg zur Verfügung steht. Entgegen unserer Erwartung handelte es sich dabei nur um einen insgesamt gut 30-minütigen Weg durch ein Waldgebiet bis zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man rund drei Kilometer vom Gletscher entfernt ist.Franz Josef Glacier (14)

Der Aussichtspunkt und der Klimawandel

Bereits nach 15 Minuten erreichten wir besagten Aussichtspunkt. Der Gletscher war tatsächlich noch ziemlich weit weg, wie man auch an unserem Selfie unschwer erkennen konnte, für ein ordentliches Foto der Eismassen mussten wir anschließend ganz schön zoomen. Bemerkenswert dabei: Vor rund 120 Jahren hätten wir uns an genau dieser Stelle noch mitten auf dem Gletscher selbst befunden, so weit reichte das Eis früher ins Tal hinunter. Der Klimawandel lässt grüßen. Diese Zahl ist keineswegs übertrieben: Zwischen der ersten offiziellen Kartierung des Gletschers im Jahr 1893 und dem Jahr 1983 zog sich das Eis bereits um rund drei Kilometer zurück, und nach einer kurzen Phase des Wiederanwachsens zwischen 1983 und 2008 setzte danach ein besonders schneller Rückzug ein, der den Gletscher bis 2017 um weitere 1,5 Kilometer verkürzte. Heute ist der Gletscher wieder etwa drei Kilometer kürzer als noch vor hundert Jahren, ein eindrücklicher Beleg dafür, wie stark sich die Erwärmung des Klimas auf die Eismassen Neuseelands auswirkt. Weiter führte der Weg an dieser Stelle nicht: Der Flusslauf hat sich im Laufe der Zeit so verändert, dass der ursprünglich weiterführende Pfad heute nicht mehr passierbar ist.

Die Geschichte der Defiance Hut

Direkt am Parkplatz stießen wir außerdem auf eine Infotafel zur Defiance Hut, die uns einen faszinierenden Einblick in die frühe Geschichte des Gletschertourismus gab. Die von der Regierung geförderte Begeisterung für Gletschertourismus wurde bereits im frühen 20. Jahrhundert populär, und zwei der besten Bergführer jener Zeit, die Brüder Peter und Alec Graham, nahmen Besuchergruppen mit ihrem schweren Gepäck damals hinauf aufs Eis und in die Berge, wobei häufig auf dem sogenannten Defiance Ridge übernachtet wurde. Dieser Bergrücken liegt auf 810 Metern Höhe an der Westseite des Gletschertals und bot großartige Ausblicke auf den Hauptgletscherfall. Als die Besucherzahlen immer weiter anstiegen, wünschten sich die Grahams eine permanente Unterkunft und boten an, eine Hütte auf dem Defiance Ridge zu errichten, ein Vorschlag, dem die zuständige Tourismus- und Gesundheitsbehörde schnell zustimmte und den Bau finanzierte. Zwischen 1912 und 1913 wurde die Hütte errichtet, wobei sämtliches Baumaterial von Hand den Bergrücken hinaufgetragen werden musste.

Vom Eispfad zur historischen Unterkunft

Bis in die 1950er-Jahre diente die Hütte hunderten Pionier-Touristen und Bergsteigern als Ausgangspunkt für Gletscherwanderungen und Gipfelbesteigungen. Bereits 1936 musste sie einmal verlegt werden, weil der zurückweichende Gletscher den Eisdruck auf den Bergrücken verringerte und dieser instabil wurde, rund zwei Tonnen Material wurden damals zur Sicherheit an den Kamm transportiert. Als Erosion und Zugänglichkeit in den 1950er-Jahren erneut zum Problem wurden, entstand 1974 eine Ersatzhütte bei den Castle Rocks, während die ursprüngliche Defiance Hut in der Ortschaft Franz Josef wieder aufgebaut wurde. Im Jahr 2020 folgte eine letzte Verlegung, und bis heute gilt sie als älteste noch erhaltene Hochgebirgshütte Neuseelands.

Weiter nach Fox Glacier

Anschließend ging es für uns weiter nach Fox Glacier, die Fahrt dorthin betrug rund 30 Minuten.

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