Fernziele, Neuseeland
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Hokitika, das Goldgräberstädtchen an der Westküste

Hokitika (11)

Zwischen Fish & Chips, glitzerndem Grünstein und leuchtenden Glühwürmchen entpuppte sich Hokitika für uns als ein facettenreiches Etappenziel an Neuseelands Westküste.

Hungrig, wie wir waren, steuerten wir in Hokitika als Erstes den Fish-&-Chips-Laden Hokitika Townchip an, wo wir draußen essen konnten. Allerdings hatten wir alle Hände damit zu tun, unser Essen vor den frechen Möwen zu schützen, die hier ganz offensichtlich genau wussten, wo es etwas zu ergattern gab. ☺️ Lecker war es trotzdem und dazu total günstig: Für gerade einmal 6 EUR pro Portion bekamen wir eine ordentliche Mahlzeit.

Vom Goldrausch zur Boomtown

Hokitika (10)Gestärkt machten wir uns anschließend auf, das kleine Städtchen zu erkunden, das auf den ersten Blick unaufgeregt und beschaulich wirkte, aber eine bewegte Vergangenheit in sich trägt. Mit dem Goldrausch Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte Hokitika einen kometenhaften Aufstieg vom verschlafenen Nest zur Boomtown: Nachdem 1864 im Taramakau-Tal Gold entdeckt worden war, strömten binnen kürzester Zeit Tausende von Glücksrittern aus aller Welt an die Mündung des Hokitika River, wo der Fluss den nächstgelegenen Ankerplatz zu den Goldfeldern bot. Innerhalb eines einzigen Jahres wuchs die Siedlung zu einer regelrechten Stadt heran, deren Einwohnerzahl zeitweise auf über 4.000 anstieg, manche Schätzungen gehen sogar von bis zu 30.000 bis 40.000 Menschen aus, die in der Region nach Gold suchten. Für sie baute man hunderte Hotels, dazu Freudenhäuser und Bars, in denen man Erfolge feierte und sich Misserfolge schöntrank. Ein weiterer Prestigebau aus jener Zeit war das Art-déco-Kino aus den 1930er-Jahren, das bis heute an die Blütezeit der Stadt erinnert.

Der berüchtigte Hafeneingang

Der Hafen von Hokitika galt damals als einer der gefährlichsten des Landes. Auf einer Infotafel am Ufer, die den treffenden Titel „Navigating the Bar“ trägt, erfuhren wir, welche Tücken die Einfahrt in den frühen Tagen des Goldrauschs bereithielt: Die Wassertiefe über der berüchtigten Sandbank, der „wretched bar“, schwankte zwischen gerade einmal zwei und 14 Fuß, und schon der bloße Gedanke an die Durchfahrt soll die Menschen an Bord in Angst und Schrecken versetzt haben. Nicht zuletzt deshalb, weil ihnen am Ufer bereits ein ganzer Friedhof aus gestrandeten und zerschellten Schiffsrümpfen entgegenblickte. Allein im Jahr 1865 sollen 21 Schiffe beim Versuch, die Bar zu überqueren, gescheitert sein, viele Menschen ertranken dabei. Aus diesem traurigen Umstand entwickelte sich zynischerweise sogar eine eigene Erwerbstätigkeit: das sogenannte „beach scavenging“, bei dem Bewohner die Strandungen für die Bergung von Fracht und Wrackgut nutzten. Um die Durchfahrt sicherer zu machen, wurde 1865 an der Nordspitze eine Signalstation errichtet, die bis in die 1960er-Jahre über die sichere Passage wachte. Über ein System aus Ball und Flaggen am Mast der Station wurden Schiffen die aktuellen Gezeiten- und Barbedingungen angezeigt – ein schwarzer Ball an der Mastspitze etwa stand für Hochwasser, eine weiße Flagge unter dem Ball warnte vor einer gefährlichen Bar. Zwei Dampfschiffe, der Schraubendampfer „William Miskin“ und der Raddampfer „Lioness“, strandeten zwar ebenfalls auf der Hokitika-Landspitze, hatten aber im Gegensatz zu vielen anderen Wracks Glück: Beide konnten erfolgreich wieder flottgemacht werden. Gestrandete Schiffe an der Flussmündung wurden mitunter sogar mit einem System aus Rollen und Gräben über die Landspitze gezogen, um ihre Ladung am Kai löschen zu können, eine mühsame Prozedur, die man als „overland voyage“ bezeichnete.

Niedergang und neuer Charakter

Ende des 19. Jahrhunderts waren die leicht zugänglichen Goldadern schließlich erschöpft, die Einwohnerzahl sank rapide auf rund 2.000, die Hotels wurden verrammelt und der Hafen versandete endgültig. Geblieben ist bis heute ein sympathisches Städtchen mit Wild-West-Flair, in dem sich Alternative, Künstler und Lebenskünstler wohlfühlen – die kleine, unaufgeregte Innenstadt spiegelt diesen Charakter bis heute wider.

Pounamu – das grüne Gold der Maori

Auf unserem Spaziergang durch die Stadt kamen wir natürlich auch an den zahlreichen Werkstätten und Ateliers vorbei, in denen Jadeschmuck verkauft wird, denn Hokitika trägt nicht ganz zu Unrecht den inoffiziellen Titel „Greenstone-Hauptstadt der Westküste“. Bevor die Weißen kamen, gab es für die Maori keinen wertvolleren Rohstoff als Pounamu, neuseeländische Jade oder Grünstein. Das lag wohl auch daran, dass man zahllose Stunden brauchte, um Werkzeuge oder Schmuck daraus herzustellen – die neuseeländische Nephrit-Jade, die es nur hier an der Westküste gibt, ist nämlich härter als Stahl. Flüsse wie der nahe Arahura River spülen den Schmuckstein aus den Bergen in Richtung Meer, und das gesamte Gebiet rund um Hokitika nennen die Maori Te Wai Pounamu – „Land des Grünstein-Wassers“. Für die Maori ist Pounamu bis heute ein Taonga, ein heiliger Schatz, der Mana, also spirituelle Kraft, in sich trägt und traditionell nur verschenkt oder als Familienerbe weitergegeben wird; die Rechte an unbearbeitetem Grünstein liegen rechtlich beim Stamm der Ngāi Tahu. Kein Wunder also, dass in den örtlichen Werkstätten und Ateliers Jadeschmuck verkauft wird. Was wir in den Geschäften fanden, war allerdings mitunter richtig frech: Nicht alle Schmuckstücke stammten aus Neuseeland, manche waren aus China importiert. Teilweise waren die Anhänger sogar so schlecht verarbeitet, dass der Stein nicht mal den kompletten Anhänger ausfüllte – dafür wurden aber gerne 120 NZD verlangt.

Treibholz und Sonnenuntergang am Strand

Hokitika (7)Am Strand von Hokitika wimmelte es derweil vor Treibholz, das die raue See und die Flüsse der Region über die Jahre angespült hatten. Aus den Stämmen und Ästen waren einige „Kunstwerke“ entstanden – Treibholz-Art könnte man sagen. So viel Treibholz hatten wir noch nie irgendwo gesehen. Wir liefen bis zum Sunset Point, wo sich auch ein altes Schiffswrack befand, das zu einer Picknickstelle umfunktioniert worden war – ein stiller, aber nach unserer Lektüre der Infotafel umso eindrucksvollerer Verweis auf die zahlreichen Schiffe, die einst an der tückischen Bar gescheitert waren. Die Möwen waren hier natürlich auch nicht weit. Am Strand konnten wir dann noch einen schönen Sonnenuntergang bewundern, der die Westküste in ein warmes Licht tauchte.

Glühwürmchen im Glow Worm Dell

Zum Abschluss des Tages besuchten wir den Glow Worm Dell direkt am Highway 6, am nördlichen Ortseingang von Hokitika. Der kurze, nur wenige Minuten lange Weg führte uns zu den Erdwänden, an denen es Glühwürmchen zu sehen gab. Allerdings waren die kleinen Leuchtkäferlarven auch hier sehr schwer zu fotografieren. Der Spot lohnte sich trotzdem, vor allem, weil es dort richtig dunkel wurde – anders als in unterirdischen Höhlen ist der Dell ein Freiluftstandort, der nur durch dichtes Blätterdach und hohe Erdwälle vor Licht abgeschirmt wird, weshalb die Augen einige Minuten zur Anpassung brauchen. Wir sahen sehr viele Glühwürmchen – eine Taschenlampe für den Weg war dabei sehr hilfreich, denn es war wirklich stockdunkel. Für uns war das eine tolle, kostenlose Gelegenheit, Glühwürmchen zu sehen, ohne dafür eine Höhle besichtigen zu müssen.

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