Eigentlich sollte es der zweite Versuch der Tongariro Alpine Crossing werden. Doch der Wind hatte wiederum andere Pläne und die Route wurde komplett gesperrt. So entdeckten wir eine super Alternative: Die Wanderung zu den Taranaki Falls und zum Lower Tama Lake.
Erstens kommt es anders…
Wir hatten extra zwei mögliche Wandertage für die Tongariro Alpine Crossing eingeplant. Diese berühmte Tageswanderung über vulkanisches Gelände, vorbei an Kratern, Seen und dampfender Erde, stand ziemlich weit oben auf unserer Neuseeland-Wunschliste. Umso größer war die Enttäuschung, als klar wurde: Der Weg wurde auch am zweiten Versuchstag wegen zu heftigen Windes gesperrt. Und das ist auch eine der Lehren, die man recht häufig liest: Man muss für diese Crossing wirklich viel Glück mit dem Wetter haben.
Und so schade das im ersten Moment war, verstanden wir die Entscheidung natürlich sofort. Das Tongariro Alpine Crossing ist keine gemütliche Spazierstrecke, sondern eine alpine Wanderung in sehr exponiertem Gelände. Gerade Wind, schlechte Sicht und schnelle Wetterwechsel können dort richtig gefährlich werden. Auch auf dem Tama Lakes Track weist das neuseeländische Department of Conservation ausdrücklich darauf hin, dass es keinen Schutz gibt, das Wetter schnell umschlagen kann und der Wind oft sehr stark ist.
Aber wie dem auch war, es hieß für uns: Umplanen. Statt auf den Mount Tongariro und über das Alpine Crossing zu gehen, starteten wir in Whakapapa Village Richtung Taranaki Falls. Wie ein bisschen Ersatzprogramm klang das zunächst schon, aber dieser Gedanke hielt nicht lange.
Startpunkt und Wegbeschreibung der Taranaki Falls Wanderung
Der Weg begann für uns im Whakapapa Village, etwa 100 Meter unterhalb des übrigens sehr sehenswerten Visitor Centers. Die Taranaki Falls Wanderung ist als rund 6 Kilometer langer Rundweg ausgeschildert und wird meist mit etwa zwei Stunden angegeben. Für uns war das aber nur der erste Teil, denn wir wollten danach noch weiter bis zum Lower Tama Lake.
Schon auf den ersten Metern zeigte sich, was wir an Neuseelands Wanderwegen so lieben. Die Wege waren hervorragend ausgebaut, mit festen Untergründen, Drahtgittern, kleinen Stegen und klarer Beschilderung. Selbst dort, wo es durch feuchtere Abschnitte oder über loseren Untergrund ging, fühlte man sich gut geführt. Das ist in Neuseeland wirklich beeindruckend.
Die Landschaft wechselte ständig. Erst ging es durch dichte, grüne Waldabschnitte, in denen das Licht zwischen den Bäumen hindurchfiel. Dann öffnete sich der Blick wieder in diese weite, trockene Vulkanlandschaft mit Gräsern, kleinen Sträuchern und immer wieder den Bergen (und den uns etwas auslachenden Mount Tongariro) am Horizont. Mal liefen wir im T-Shirt in der Sonne, mal kam der Wind über die Ebene gezogen und erinnerte uns daran, warum das Crossing heute tatsächlich keine gute Idee war.
Vielfalt der Landschaft auf dem Weg
Die Taranaki Falls selbst waren wieder so ein typischer Neuseeland-Moment. Man läuft und läuft durch eine schöne Landschaft, und plötzlich steht da dieser Wasserfall vor einem, als wäre er ganz selbstverständlich Teil des Weges. Das Wasser stürzt rund 20 Meter über eine alte Lavakante hinunter. Der offizielle Track beschreibt genau diesen Wechsel aus Bergblicken, unterschiedlichen Landformen und dem 20 Meter hohen Wasserfall.
Wir blieben natürlich stehen. Das Rauschen, die dunklen Felsen, das Grün an den Rändern und dann sogar dieser Regenbogen im Sprühnebel – das war schon ziemlich perfekt. Nicht auf diese kitschige Art, sondern einfach als schöner Moment mitten auf einer langen Wanderung.
Danach wurde es langsam einsamer. Viele Besucher drehen an den Falls wieder um oder laufen nur den Rundweg zurück nach Whakapapa. Wir folgten weiter dem Tama Lakes Track, der als Verlängerung der Taranaki Falls Wanderung gilt. Die komplette Strecke zu den Tama Lakes wird mit etwa 17 Kilometern und 5 bis 6 Stunden angegeben. Bei uns wurden es am Ende knapp 18 Kilometer, und die hatten es durchaus in sich.
Der beeindruckende Wasserfall und seine Momente
Hinter den Taranaki Falls verändert sich die Stimmung noch einmal. Der Weg führt durch offeneres Land, über kleine Anstiege und durch eine Landschaft, die gleichzeitig karg und schön ist. Die Weite war auf jeden Fall sehr beeindruckend. Der Himmel riss immer wieder auf, Wolken zogen schnell über die Berge und auch in der Ferne lagen diese gewaltigen Vulkanformen, die Neuseeland und den Tongariro National Park so besonders machen.
Der Tama Lakes Track führt zu zwei Kraterseen zwischen Mount Ruapehu und Mount Ngauruhoe. Der Lower Tama Lake liegt auf etwa 1.240 Metern, der Aussichtspunkt zum Upper Tama Lake noch höher auf rund 1.440 Metern. Wir entschieden uns für den Lower Tama Lake und schon dort war der Wind absolut heftig.
Oben am See war es plötzlich nicht mehr der warme Wandertag, den wir unterwegs teilweise erlebt hatten. Der Wind pfiff über die offene Fläche, die Temperatur fühlte sich sofort deutlich kälter an und wir waren sehr froh, mehrere Schichten im Rucksack zu haben. T-Shirt-Wetter auf dem Hinweg, dickes Einmummeln am See – genau so fühlte sich diese Wanderung an. Eine kleine Tour der Extreme.
Weiter zum Lower Tama Lake und die Herausforderungen
Am Lower Tama Lake suchten wir uns schließlich einen halbwegs geschützten Platz im Windschatten eines Busches. Dort kauerten wir uns hin, packten unser Frühstück beziehungsweise Lunchpaket aus und waren einfach nur froh über die Pause. Nicht glamourös, nicht besonders bequem, aber genau richtig. Und Hunger hatten wir nach der ordentlichen Strecke auch.
Der Blick auf den See war trotzdem fantastisch. Dieses dunkle Wasser in der kargen Kraterlandschaft, die sandigen Hänge, die Wolken darüber und der Wind, der ununterbrochen und ein wenig erbarmungslos durch die Landschaft zog – das hatte eine Kraft, die man auf Fotos leider nicht einfangen kann.
Und wieder dachten wir daran, dass diese Wanderung eigentlich nur Plan B gewesen war. Dafür fühlte sie sich erstaunlich groß und teils etwas beschwerlich an. Nicht wie ein Trostpflaster, sondern wie ein eigener, vollwertiger Wandertag im Tongariro National Park. Ein gelungener Ersatz.
Der Charakter der Route und ihre Highlights
Natürlich ersetzt der Tama Lakes Track nicht einfach die Tongariro Alpine Crossing. Es ist eine andere Wanderung, mit anderem Charakter. Aber wenn das Crossing wegen Wetter, Wind oder schlechter Bedingungen gesperrt ist, ist die Route zu den Taranaki Falls und weiter zum Lower Tama Lake eine wirklich gute und empfehlenswerte Alternative. Manche Wanderer gingen natürlich noch weiter aber diese Tour reichte uns tatsächlich für diesen Tag.
Besonders beeindruckt hat uns unterwegs aber wie so oft in Neuseeland die Infrastruktur. Die Wege waren über lange Strecken hervorragend befestigt, an schwierigen Stellen gesichert und sehr gut ausgeschildert. Und dann steht dort tatsächlich mitten im Nichts noch ein Toilettenhäuschen. Wir brauchten es nicht, aber allein die Tatsache, dass es dort steht, fanden wir ziemlich sensationell. Das ist wirklich etwas, das man in dieser Form vermutlich nur in Neuseeland erlebt.
Fazit: Eine Alternative voller Erlebnis
Die Sperrung des Tongariro Alpine Crossing war für uns zunächst eine große Enttäuschung. Wir hatten uns sehr darauf gefreut und extra Zeit dafür eingeplant. Aber die Wanderung zu den Taranaki Falls und weiter zum Lower Tama Lake hat uns gezeigt, dass Plan B manchmal überraschend stark sein kann.
Die Tour war lang, anstrengend und durch den Wind am See auch richtig frisch. Gleichzeitig war sie landschaftlich unglaublich abwechslungsreich: Wald, Wasserfall, Vulkanebenen, weite Ausblicke, perfekt ausgebaute Wege und am Ende dieser raue Kratersee.
Für alle, die im Tongariro National Park unterwegs sind und die Alpine Crossing nicht machen können oder wollen, ist diese Wanderung eine fantastische Alternative. Man bekommt keine kleine Ersatzrunde, sondern einen echten Wandertag mit allem, was diese Region ausmacht. Für uns war es am Ende kein verlorener Crossing-Tag, sondern einer der vielen tollen Wandertage unserer Neuseeland-Reise.














