Heute nehmen wir euch mit ganz an die Spitze des italienischen „Stiefelabsatzes“ – nach Santa Maria di Leuca, wo sich Adria und Ionisches Meer treffen und das Land scheinbar am Ende der Welt endet.
Wir erwischten einen kostenlosen Parkplatz und schlenderten von dort aus gemütlich an der Promenade entlang. Viel los war hier nicht Ende September, die Stimmung ruhig und fast ein bisschen verträumt. Die Häuser wirkten deutlich pompöser als in anderen Küstenorten, und viele waren in erstaunlich gutem Zustand – richtige Schmuckstücke!
Zwischen Lido, Felsen und türkisblauem Meer
Entlang der Promenade reihten sich Restaurants und Lidos aneinander, meist direkt über den Felsen zum Meer hin. Aus dem Lido Azzurro klang das gleichnamige Lied – das war so typisch italienisch, dass wir beide lächeln mussten. Einen richtigen Sandstrand gab es hier allerdings nicht; wer baden wollte, brauchte definitiv Schwimmschuhe. Das Meer war dabei beeindruckend klar und schimmerte überall dort türkis, wo keine Felsen den Blick störten.
Historischer Charme und mondäne Villen
Santa Maria di Leuca trägt den Beinamen „de finibus terrae“. Historisch und symbolisch markiert dieser Ort das Ende der antiken Welt. Und so fühlte sich der Ort tatsächlich ein wenig an: still, weit, mit einem Hauch von Geschichte. Ingenieur Giuseppe Ruggiero ließ damals prachtvolle Villen in allen möglichen Stilen entwerfen – von klassisch über maurisch bis Renaissance. Viele dieser Bauten stehen noch immer da, mit großen Gärten, kleinen Kapellen und oft sogar privaten Badehäusern am Meer. Diese Villen dienten Adligen, Aristokraten und wohlhabenden Kaufleuten als Sommerresidenzen, um ihre Ferien am Meer und in der Natur zu verbringen. Die Villen sind ein bedeutender Teil des kulturellen Erbes von Santa Maria di Leuca und zeugen vom Wohlstand und der Beliebtheit des Ortes als exklusiver Ferienort im 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Aufstieg zur Basilica und zum Leuchtturm
Anschließend fuhren wir mit dem Auto hoch zum Leuchtturm und zur Basilica Santa Maria de Finibus Terrae. Wir hatten Glück und schnappten uns den letzten freien Parkplatz – gar nicht so einfach, denn viele Möglichkeiten gibt es dort oben nicht. Zu Fuß über die lange Treppe wäre auch gegangen, aber die wollten wir uns an diesem warmen Nachmittag lieber sparen.
Zwischen zwei Meeren und einem Stück Geschichte
Oben angekommen, begrüßte uns eine bronzene Statue von Papst Benedikt XVI., die an seinen Besuch im Juni 2008 erinnert. Sie steht auf dem Platz vor der Basilica und ist ein symbolischer Ausdruck des bleibenden Eindrucks, den das Ereignis auf die Gemeinde und die Pilger hinterlassen hat. Der Platz vor der Basilica bot einen großartigen Ausblick über beide Meere – ein Gefühl, als würde man tatsächlich zwischen zwei Welten stehen. Direkt daneben erhebt sich der Leuchtturm von 1864, stolze 47 Meter hoch und einer der höchsten Italiens.
Ein verlassener Ort mit schwerer Vergangenheit
Ein Stück weiter oben, über der Grotte Cazzafri, sahen wir das verlassene Gebäude der Colonia Scarciglia. Kaum zu glauben, dass dieser Ort einst der Unterbringung von Kindern, Kranken und später sogar KZ-Flüchtlingen diente. Heute steht das Haus leer, die Fassade ist verwittert und diverse Umbauprojekte scheiterten.
Die monumentale Kaskade
Zum Abschluss erkundeten wir noch die Cascata Monumentale, den großen Wasserfall am Ende des Apulischen Aquädukts. An diesem Tag floss zwar kein Wasser, aber selbst trocken war die Anlage beeindruckend. Zwei Treppen mit je 300 Stufen führen von der Basilica hinunter zum Hafen – eine architektonische Meisterleistung. Wir stellten uns vor, wie dort im Sommer, zu speziellen Anlässen, das Wasser in Strömen fällt und bunte Lichter die Nacht erhellen.














